Diese Woche streiten sich zwei Themen um den ersten Platz und meine Gefühle.

Für die Meisten unter meine reue Leser*Innen wird das eine Thema nicht überraschen, es sind die Wassermassen die Teile des Landes zu Katastrophenregionen gemacht haben. Dahingestellt die Frage wer hier an Schuld ist, an erster Stelle sollte die Frage stehen, wie wir als Gesellschaft jetzt helfen können. Auch wenn praktische Hilfe die verlorene Gegenstände nicht zurück bringt und Zerstörtes nicht wieder aufrichtet, so lange wie es „nur“ die Sachschäden sind wird die Zeit dazu beitragen, dass dieses Jahr als ein weiteres Jahr der „Flutkatastrophen“ in den Geschichtsbücher seinen Platz finden wird. So tragisch wie es sit, so sehr die Bilder mich auch bewegen und, ich gebe zu, auch die Sorge um Menschen die ich persönlich in den betroffenen Gebiete kenne mich beunruhigt, ich sehe es mit eine gewissen Gelassenheit. Es gab Schlimmeres und vieles wird wieder auf die Beine kommen.

Vielleicht lernt der ein oder die andere gerade jetzt die Bedeutung von „Gesellschaft“ als Gemeinschaft die miteinander für einander da ist. Wichtig vielleicht uch nach fast anderhalb Jahr Covideinschränlungen und Isolation.

Das andere Thema was mich sehr betroffen macht und wo ich mich mehr Sorgen mache ist das Attentat auf Peter R. de Vries. Dienstag vor einer Woche wurde er nach eine Fernsehaufnahme mitten in Amsterdam angeschossen, gestern ist er seine Verletzungen erlegen. Nun fragen Sie sich vielleicht, wer Peter R. de Vries war und warum mich sein Tod so betroffen macht.

Persönlich habe ich ihm nicht gekannt, obwohl unsere Wege sich irgendwann Ende der Siebzigern in Amsterdam bestimmt gekreuzt haben. Geboren in 1956 war er fast vier Jahre älter als ich. Er wurde Journalist und entwickelte sich zu einer der bekanntesten VErteidigern der Wahrheit wenn es um Verbrechen ging. Er half Opfer bzw. deren Angehörigen dann, wenn kein Mensch mehr glaubte sie helfen zu können. So waren es seine Bemühungen die letztlich zur Ergreidung des Täters an den Mord auf Nicki Verstappen führte, ein Mord die eine Welle der Empörung durch den Niederlanden zog und die als „ungelöst“ drohte in den Geschichtsbücher zu landen.

Er war es auch der die beiden für den in den „Puttens Moordzaak“ angeklagte und verurteilte Männer glaubte als sie ihren Unschuld beteuerten und es waren seine Bemühungen die schließlich der Beweis ihrer Unschuld auf den Tisch brachte.

Natürlich, hinter und mit Peter stand ein Team von Menschen aber es war seine Inspiration und Motivation, sein aufrechten Gang und seine Entschiedenheit nicht zu beugen für Kriminellen, nicht zu ruhen bis die Wahrheit auf den Tisch war, die letztlich die Ergebnisse brachte.

Aber er hatte auch, was vielleicht überraschen mag, die Überzeugung, dass auch Kriminellen in ein Rechtsstaat Rechte haben. Einer seiner letzten Engagements war deswegen auch den Beistand als Vertrauensperson eines Kronzeugen in ein großes Strafverfahren. als bekannt wurde, übrigens durch ein eklatanten Fehler der Justizbehörde die in den Akten den Klarnamen des Zeugens erwähnte (…), wurde noch keine Woche später dessen völlig unbeteilgten Bruder an seinem Arbeitsplatz erschossen.

Zwei Jahre sind es her, dass dann auch der Anwalt des Zeugen, Derk Wiersum (18. September 2019), in Amstelveen auf dem Weg in seiner Kanzlei morgens auf offener Straße erschossen wurde. Peter wußte mit wem er es zu tun hatte, denn der Zeuge ist wirklich kein Unschuldslamm. Die Belohnung für seine Aussagen ist eine halbierung des Strafmaßes, was am Ende doch noch eine Haft im zweistelligen Bereich bedeuten wird. Trotzdem war Peter der Meinung, dass auch er eine faire Behandlung verdiente.

Bewußt wie er war vom Risiko seines Engagements wollte er trotzdem kein Personenschutz. Er war nicht bereit zu ducken, sich einschränken zu lassen durch ein Krimineller, ein Drogenhändler, ein Anstifter zu Mord und mehr. Er liebte seine Freiheit, eine Liebe die letztlich mit seiner Hinrichtung auf offener Straße endete.

Was mich so betroffen macht ist natürlich einerseits sein Tod, aber wie bereits bei der Ermordung von Derk Wiersum stellt sich bei mir einmal mehr die Frage, wo wir als Gesellschaft mit unseren Rechtsstaat hingehen. Werden Taten wie die Morde an Derk Wiersum und Peter R. de Vries schließlich dazu führen, dass wir in unsere Rechte und Freiheit eingeschränkt werden? Werden Politiker jetzt entscheiden, dass „zum Schutz der Gesellschaft“ Freiheiten und Prinzipien des Rechtsstaats eingeschränkt oder sogar ganz über Bord geworfen werden müssen?

Zu hoffen ist, das dies nicht der Fall sein wird. Zu hoffen ist, dass wir als Gesellschaft zeigen, dass wir auch mit diese Auswüchse (un)menschlichen Verhalten in einer Art die eine Demokratie und Rechtsstaat würdig ist umzugehen wissen. Hoffen, nicht sicher wissen.

Die Fluten die jetzt durch Teile Deutschands und den Niederlanden ziehen werden als Narben in der Landschaft und in der Geschichte eingehen, da bin ich mir sicher. Doch was ist mit Peter? Wird er irgendwann ein tragischer Figur der Geschichte, oder inspiriert er dann doch Posthum junge Journalisten nicht für Tyrannen wie Ridouan Taghi (der Beschuldigte im Marengoprozess) und anderen zu beugen. Ich hoffe es!

In diesem Sinne,

Peter, Ruhe in Frieden!

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