Gerade habe ich länger mit eine ehemalige Kollegin telefoniert. Seit fast 18 Monate ist sie jetzt hier weg und hin und wieder haben wir noch Kontakt. Auch wenn wir nur relativ kurz zusammengearbeitet haben, die Zeit war intensiv und wir haben als Team (wozu noch anderen gehörten!) vieles geschafft, auch wenn es nicht einfach war gegen den Wind zu rudern.

Irgendwann habe ich einen Spruch gelesen: „Wer zur Quelle will, muss gegen den Strom schwimmen!“ und so sehe ich das auch in meiner Arbeit.

Kurz davor hatte ich ein anderes, noch längeres Gespräch mit jemand der immer noch Kollege ist. Auf seine konkrete Fragen konnte ich Antworte geben und in dem Zusammenhang auch Hintergründe beleuchten. Letzteres hätte man schon viel früher machen können, wäre auch besser gewesen, denn erst jetzt wurde ihm klar, das einiges was passierte nicht mit seiner Person zusammenhing, sondern einfach deswegen geschah, weil seiner Akte zu dem Zeitpunkt wo sich die Ereignisse überschlugen einfach oben auf dem Stapel gelegen hatte. Wäre es meine oder Deine Akte gewesen, wären wir eben betroffen.

Das Gespräch machte mir einmal mehr klar, wie wichtig es ist Entscheidungen nicht einfach so zu verkünden, sondern wenn irgendwie möglich den Entscheidungsprozess offen darzulegen. Dann haben Menschen die Chance zu erkennen, dass Sachgründe die Entscheidung tragen und nicht persönliche Vorlieben. Oder Abneigungen.

Vielleicht hat dieser Erkenntnis auch was mit meinem Alter zu tun, mit meiner Person, wenn man so will. Je sicherer ich mir bin wer ich bin und was ich kann, desto einfacher kann ich mich auf Gespräche einlassen. Nicht mehr das Gefühl zu haben mich rechtfertigen zu müssen, sondern einfach darlegen was mich bewegt und warum ich so entschieden habe oder warum ich eine Entscheidung zustimme oder ablehne. Das macht verletzbar, nicht jeder kann damit umgehen und manche wird versuchen es auszunutzen. Aber es macht auch stark.

Vor etwas mehr als einem Jahr nannte jemand das „Integretität“. Offen legen was man wie entscheidet, bereit sein eine Entscheidung bei neue Fakten zu überdenken und ggf. zu revidieren. Nicht an einem Dogma festhalten, sondern Entscheidungen als ein dynamischen Prozess betrachten.

Damit man das machen kann, braucht man Information, wenn möglich aus mehr als einer Quelle. Informelle Gespräche die dazu beitragen ein differenziertes Gesamtbild zu schaffen sind unentbehrlich. Nur wer sich ein umfassendes Bild von einer Situation, die Begleitumstände und, als Betriebsrat, den rechtlichen Rahmen macht hat die Gelegenheit eine ausgereifte Entscheidung zu treffen. Je schmaler der Informationsbasis für eine Entscheidung ist, desto schwieriger wird es diese Entscheidung auch zu kommunizieren.

„Weil ich es sage…“ war ja so ein Argument was ich als Kind und Jugendliche öfters zu hören bekam. Das da die Ängste meiner Eltern und Lehrkräfte eine Rolle spielten wurde mir erst Jahrzehnten später klar. Immer wieder führten unbegründete Entscheidungen zu Konflikte, ich konnte und wollte nichts stehen lassen. Und genau das ist es, was dann irgendwann unweigerlich zu Probleme führt. Das Vertrauen, aufgebaut durch begründete Entscheidungen die auf ein breiter Basis entstanden waren, fehlte, was genau dann wenn es darauf an kam eine schnelle Entscheidung herbei zu führen lähmend wirkte.

Ich hoffe, ich habe en den letzten 40 Jahre meine Entscheidungen nicht auf Basis der Ängste meiner Eltern und Lehrkräfte getroffen, sondern auf Fakten und Sachkenntnisse und so dazu beigetragen, dass eine Reihe von Menschen sich in meiner Gegenwart sicher gefühlt haben.

Mit dieser Gedanke eine gute Nacht gewünscht,

Olav

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